enVision Buildings – 360° Building Intelligence by nutz

Im zweiten Teil unserer Interviewserie gibt uns Meik Spiegel einen ersten Einblick in das Projekt M8 work and create und erklärt den Mehrwert für alle Objektparteien genauer.

 

Herr Spiegel, Sie betreuen aktuell das M8 work & create in München-Ost und bald schon weitere Projekte als Bereichsleiter für Gebäudeautomation in der Nutz GmbH. Sie haben Ihre Karriere mit einer Ausbildung zum Elektroinstallateur begonnen und viele Jahre in der Industrie als Instandhalter gearbeitet. Wie kamen Sie zur Gebäudeautomation?

Mittlerweile blicke ich auf 25 Jahre Erfahrung und Faszination Gebäudeautomation zurück. Noch während meiner Zeit bei Imperial, einem Premiumhersteller von Kücheneinbaugeräten und heute ein hundertprozentiges Tochterwerk der Mutter Miele, sprang der Funke über. Wir bauten für unsere Kunden einen Showroom und wollten unsere Produkte durch Spots und spezielle Beleuchtung bestmöglich in Szene setzen. Normalerweise zieht man von jedem einzelnen Schalter ein Kabel zur Lampe, um am Ende auch noch alles zu beschriften, damit man den Überblick behält. Das muss doch einfacher gehen. Und so habe ich mich mit sogenannten Bus-Technologien auseinandergesetzt. Damals starteten wir mit EIB (Europäischer Installationsbus), heute besser bekannt als KNX, und waren begeistert. Wir konnten über zentral platzierte Sensoren und Touchpanels Lichtszenarien kreieren und sogar die Temperatur regeln. Daraufhin haben wir diese Technologie nach und nach firmenweit umgesetzt.

Die Vorteile sind bemerkenswert, wir hatte einen geringen Installationsaufwand und sparten uns die Kosten von verschwendeter Energie.

Anschließend bildete ich mich eigeninitiativ und angetrieben von meiner Passion zur Raum- und Anlagenautomation zum KNX Ausbilder fort. Im Laufe der Zeit befasste ich mich dann nach und nach mit weiteren Bus-Technologien der Anlagen- und Gebäudeautomation und so hat mich meine Begeisterung für diese Steuerungstechnik vor vier Jahren zur Firma Nutz gebracht.

 

Das M8 im Münchner Werksviertel, wird eines der intelligentesten Gebäude Deutschlands. Was reizt Sie an diesem Projekt besonders?

Das spannende und herausfordernde am M8 ist, die brandneue O3-Serie aus dem Portfolio von DeltaControls zu integrieren. Das Flaggschiff dieser Serie ist der so genannte O3-Sensor-Hub. Diesen Raumsensor könnte man getrost als All-In-One-Sensor bezeichnen. Dieser Sensor ist Teil eines hochmodernen Systems, das aus dem Verhalten der Nutzer lernt und mittels vieler Sensoren verschiedenster Technologien in einem Gehäuse alle Parameter eines Raumes erfasst, um dem Nutzer eine optimale Wohlfühlatmosphäre zu bieten. Und wir sind einer der ersten Facherrichter, der weltweit diese neuen Sensoren einbaut und in Betrieb nimmt.

Für die Firma Nutz ist es zudem das erste Projekt dieser Art und die hauseigenen Bereiche Elektrotechnik, Sicherheitstechnik und Gebäudeautomation müssen eng zusammenarbeiten. Stellen Sie sich vor, die Elektrotechnik verleiht einem Gebäude die Nervenbahnen, die Sicherheitstechnik stattet es mit den nötigen Schutzmechanismen aus und wir, die Gebäudeautomation, hauchen dem Gebäude Leben ein und bringen es zum selbstständigen Denken und Handeln.

Außerdem vereinen wir erstmalig alle Bereiche aus dem Hause Nutz und weiterer Gewerke zu einer komplexen Einheit. Für den Kunden, in diesem Fall im Bauvorhaben M8, hat das den immensen Vorteil, dass alle Komponenten der Gewerke Heizungs-, Sanitär-, Klima-, Lüftungs- und Elektrotechnik miteinander vernetzt werden und somit die technische Gebäudeausrüstung zu einer homogenen Einheit verwächst. Man spricht quasi eine Sprache und für denjenigen, den die Sprache interessiert: Im M8 ist die Muttersprache BACnet/IP!

Es revolutioniert nicht nur die Gebäudetechnik, sondern auch das Arbeitsleben, ohne es dabei unnötig kompliziert zu machen. Denn die Bedienung ist am Ende kinderleicht.

Mit dem Feldbusprotokoll BACnet und den ausgereiften Komponenten unseres Partners DeltaControls haben wir alle Gewerke unter einen Hut gebracht und die ganz individuellen Bedürfnisse von Mieter, Nutzer, Betreiber und Investoren bedient.

 

Mieter, Nutzer, Betreiber und Investoren, das scheint mir keine leichte Aufgabe zu sein, die vielen verschiedenen Bedürfnisse mit nur einem System zu bedienen. Wie genau stellen Sie das an?

Für Investoren ist es heutzutage natürlich wichtig, dass ihre Immobilie attraktiv ist und es vor allem bleibt. Es gibt deshalb diverse Zertifizierungen eines Gebäudes, die ihm Wert und Attraktivität verleihen, aber auch Mieter und Nutzer sind kritischer beim Thema Umwelt und Nachhaltigkeit geworden, was wir sehr begrüßen. Selbstverständlich spielt für Investoren die Amortisation eine große Rolle und die Möglichkeit Daten von mehreren Gebäuden gleichzeitig im Überblick zu haben. Die Gebäudeautomation ermöglicht ein nachhaltiges Liegenschaftsmanagement bezüglich Ökonomie, Ökologie und Soziales. Energiekosten werden minimiert, natürliche Ressourcen werden geschont und die Menschen arbeiten in einem gesunden und angenehmen Raumklima. Zertifizierungsstandards werden erreicht und durch geringe Nebenkosten die Amortisation erhöht.

Die Betreiber, also auch Facility Management Unternehmen, profitieren ebenfalls vom sogenannten Multi-Site Management. Der Fokus ihrer Bedürfnisse liegt jedoch meist auf der Steuerung von Subdienstleistern und das Managen von Wartungs- und Reparaturaufträgen. Die Daten bereiten wir in einfachen Grafiken auf und diese sind rund um die Uhr in Echtzeit abrufbar. Sie übermitteln dem Betreiber beispielsweise, welche Räume in der Woche nicht oder nur kaum benutzt wurden, wodurch er genau bestimmen kann, welche Räume er zur Reinigung durch seinen Dienstleister beauftragen muss und welche nicht.

Den Mietern bietet die Gebäudeautomation das Open Desk Prinzip ganz einfach einzuführen und umzusetzen. Sie haben stets Überblick über die Energiekosten, den Energieverbrauch und Abweichungen der Parameter in Echtzeit. Es ermöglicht ein schnelles Eingreifen und deckt wahre Energiefresser auf. Nicht nur die Mieter stimmt das zufrieden und glücklich, sondern auch die Nutzer. Ein ausgewogenes Raumklima, perfekt angepasste Lichtverhältnisse sowie eine optimale Frischluftzufuhr schaffen Bedingungen, die ein effizientes und konzentriertes Arbeiten ermöglichen. Wir aus dem Bereich der Gebäudeautomation sprechen bei dieser individuellen Anpassung der genannten Parameter von „optimaler Behaglichkeit“.

Wie Sie sehen, ist die Gebäudeautomation die Zukunft des Liegenschaftsmanagements, die mühelos die individuellen Bedürfnisse befriedigt und dabei unsere Umwelt schont.